29.03.2012

Westerwelle erneut in nordkoreanischen Medien

Erneut hat es der deutsche Außenminister Guido Westerwelle in die staatlichen nordkoreanischen Medien geschafft. Vor anderthalb Jahren hatte er bereits schon einmal die Ehre.

Damals wie heute geht es um Atomwaffen. Der aktuelle Artikel der staatlich-nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA mit dem Titel "German FM Opposes Military Threats to Iran" ist diesmal sehr prägnant:
Pyongyang, March 29 (KCNA) -- German Foreign Minister Guido Westerwelle on Monday acknowledged Iran's right to produce nuclear energy.
Writing exclusively for the Frankfurt-based daily Frankfurter Rundschau, Westerwelle acknowledged Iran's explicit right to use atomic energy for peaceful purposes.
He called for a diplomatic and political solution on the stalemate over Iran's nuclear row.
Germany's chief diplomat has repeatedly and strongly rejected military threats to Iran, saying they were not helpful at all in settling the Iranian nuclear dispute.
Der Artikel "basiert" dabei auf diesem Artikel der Franfurter Rundschau (via NordkoreaInfo). Mit den deutschen Sprachkenntnissen scheint es dabei noch ein wenig zu hapern. Und dass Herr Westerwelle auf Nordkorea eingeht, entging den Schreiberlingen von KCNA wohl auch. Sei's drum, eventuell haben die Autoren lediglich versucht den Subtext wiederzugegeben. 

27.03.2012

Stratfor: Die USA und Nordkoreas Überlebensstrategie zwischen Schwäche, Schrecken und Wahnsinn

Bei Stratfor ist eine ausgezeichnete Analyse George Friedmans über Nordkorea, die Rolle der USA und einen möglichen Truppenabzug aus Südkorea erschienen. Ich möchte im folgenden auf einige Punkte der Analyse eingehen, die ich besonders interessant fand:

George Friedman geht davon aus, dass niemand außerhalb Nordkoreas ernsthaft eine Änderung des Status Quo wünscht. Allen wichtigen Akteuren, also den USA, Südkorea, China, Russland und auch Japan, ist die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel heilig. Friedman geht sogar davon aus, dass Nordkorea die Stationierung der US-Truppen in Südkorea womöglich willkommen heißt. Ein möglicher Grund hierfür: Die US-Truppen minimieren die Gefahr von abenteuerlichen Aktionen seitens Südkorea.

Dann geht er auf die waghalsige und geniale  Überlebensstrategie Nordkoreas ein, die das Land seitdem Ende des Kalten Krieges verfolgt: Es versucht nach außen schwach, furchterregend und gleichzeitig wahnsinnig zu wirken, um so seine Existenz zu sichern.

Erstens, so Friedman, soll es für äußere Mächte so erscheinen, als könnte Nordkorea jeden Moment kollabieren. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, ein schwaches Nordkorea würde für niemanden eine Gefahr darstellen, außer im Falle einer äußersten Provokation  oder eines Kollaps.

Zweitens, versucht es gleichzeitig durch den Bau einer Atombombe furchterregend nach außen zu wirken. Es habe aber eventuell sogar bewusst (!) - und das ist ein sehr interessanter Punkt - nicht erfolgreiche Atombomben- und Interkontinentalraketentests durchgeführt. Ein erfolgreicher Atombombentest könnte die Gefahr einer Intervention seitens der USA erhöhen. Dieses Risiko versucht Nordkorea möglichst gering zu halten. Daher ist Nordkorea bewusst immer kurz davor einen erfolgreichen Atombombentest durchzuführen - führt diesen aber absichtlich nie durch. So hat niemand etwas gegen Kims Regime in der Hand. Solange Nordkorea also nicht erfolgreich eine Atombombe testet, solange scheint es sicher vor einer Intervention oder ernsthaften (beziehungsweise ernsthafteren) Sanktionen zu sein. Hinzufügen möchte ich noch, dass Nordkorea ferner die Drohung bald einen erfolgreichen Atombombentest durchzuführen geschickt in Verhandlungen nutzen kann und so mit dem Versprechen sein Nuklearprogramm zu stoppen weitreichendere Zugeständnisse der Verhandlungspartner erwirken kann.

Der dritte Punkt in Nordkoreas Überlebensstrategie ist wahnsinnig zu wirken: Beispielsweise im Falle eines Kollaps vor dem Gebrauch von Atombomben nicht zurück zuschrecken und die komplete Halbinsel in Schutt und Asche zu legen. Damit widerspricht Nordkorea dem Gleichgewicht des Schreckens. Denn ein möglicher atomarer Gegenschlag der USA gegen Nordkorea würde das Regime in Pjöngjang nicht abschrecken. Würde Nordkorea rational handeln, würde es niemals seine Atomwaffen gegen Südkorea oder Japan einsetzen. Da es aber nach außen so scheint, dass Nordkorea total wahnsinnig, unberechenbar und irrational handelt, kann auch niemand sicher sein, dass es nicht doch irgendwann seine Atomwaffen nutzt. Dadurch versuchen alle beteiligten Akteure, besonders Südkorea, möglichst behutsam und vorsichtig mit Nordkorea umzugehen.
Da würde ich noch gerne hinzufügen, dass der nordkoreanische Wahnsinn womöglich direkt die Sonnenschein-Politik des Südens zur Folge hatte. Man hat wirklich alles versucht, Nordkorea nicht zu kränken und "böse" zu machen. Das ging so einige Zeit auch ganz gut, nur Zeiten und Politiker ändern sich. Und ewig kann man Südkorea, Japan und die USA eben auch nicht an der Nase herum führen.

Trotzallem scheinbaren "Wahnsinns" hat Nordkorea es verstanden die unsichtbare Linie nicht zu überschreiten, die einen Gegenschlag seitens der USA und Südkorea bedeuten würde. Selbst beim Versenken der Cheonan und beim Bombardement der Insel Yeonpyeong, bei welchem zwei südkoreanische Zivilisten getötet wurden, blieb ein Gegenschlag aus.

Ob es sich bei diesen beiden Provokationen wirklich um geniale und vollens durchdachte Schachzüge gehandelt hat? Oder ob sie doch der Beweis für ein irres Regime sind? Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich nah beieinander. Die nicht-militärische Reaktion der USA und Südkoreas zeigte jedefalls, dass Nordkoreas Strategie wahnsinnig, schwach und furchterregend zu wirken noch immer funktioniert. Aus meiner Sicht spielt Nordkorea zweifelslos ein gewagtes und nicht nur gefährliches, sondern auch tödliches Spiel.


Im letzten Abschnitt wendet sich Friedman China zu. China selbst nutzt Nordkorea als eine Art Ablenkung. Immer wenn sich die USA über Nordkorea bei China beschweren, können sie sich nicht auch gleichzeitig über andere Themen auslassen. China kann so über Nordkorea die amerikanischen Außenpolitik beeinflußen.

Hier der ganze Artikel:

Stratfor - The United States in Korea: A Strategy of Inertia


Mehr zu Nordkorea in diesem Blog gibt es hier

16.03.2012

Onion: Außerirdische entscheiden sich zur Intervention in Syrien

IMPERIAL CITY, PLANET ZARKLOM 12—Frustrated by "the astonishing incapacity of earthlings to halt the rampant slaughter of their own kind" in Syria, the emperor of Zarklom 12 announced Wednesday he had no choice but to dispatch his own intergalactic forces from 3 million light years away to end the senseless bloodshed.
mehr bei The Onion - Alien World To Help Out Syria Since This One Refuses To