22.11.2014

Neurovaskuläre Kopplung hängt von Gehirnregion ab

In der Studie Neurovascular Coupling and Decoupling in the Cortex during Voluntary Locomotion von August diesen Jahres fanden Huo et al. erneut Belege dafür, dass die hämodynamische Reaktion, welche beispielsweise beim fMRT ("bunte Bilder") gemessen wird, im motorischen Teil des Gehirns nicht die neuronale Aktivität voraussagen kann, zumindest nicht in der Maus. Sie kommen zu dem Schluss, dass die sogenannte neurovaskuläre Kopplung, sprich der Zusammenhang zwischen Blutfluss und neuronaler Aktivität, von der Gehirnregion abhängt und man daher vorsichtig bei der Interpretation von Studien sein muss, die den erhöhten Blutfluss mit erhöhter Gehirnaktivität gleichsetzen.  

10.11.2014

Ausbeutung nordkoreanischer Arbeiter im Katar

Katar steht seit der Entscheidung zur Austragung der FIFA-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 in der Kritik. Kein Grund für die FIFA ihre Entscheidung zu überdenken.

Der britische The Guardian berichtet nun, dass etwa 3,000 Nordkoreaner auf Großbaustellen in Katar arbeiten und wie Sklaven ausgebeutet werden. Sie erhalten angeblich kaum eine Bezahlung (10% des eigentlichen Lohnes) und wenn dann überhaupt erst wenn sie wieder nach Nordkorea zurückkehren. Den Großteil der ohnehin geringen Bezahlung streicht das nordkoreanische Regime ein. Während ihres Aufenthalts müssen sich die Arbeiter Geld von den Projektmanagern leihen.
One North Korean worker helping to build the high-rise said: “People like us don’t usually get paid. The money does not come to the person directly. It’s nothing to do with me, it’s the [North Korean recruitment] company’s business.”

[...]

According to a report by the North Korea Strategy Centre, a defector-run organisation based in South Korea: “Almost all of the wages of the workers sent abroad are remitted back to Kim Jong-un’s regime … in very extreme cases, the workers are allowed to have 10% of their wages.”

Es wird geschätzt, dass etwa 65,000 Nordkoreaner im Ausland arbeiten, besonders in Russland, der Mongolei, China und dem Nahen Osten.

09.11.2014

Bildgebende Verfahren in der Neurowissenschaft: Diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie

Bei der Debatte um Tierexperimente (hier und hier) in der Neurowissenschaft kommt immer wieder das Argument, dass heutige bildgebende Verfahren invasive Studien überflüssig machen würden. Leider ist dies nicht der Fall. Aktuell berichten Thomas et al. aus Bethesda in Maryland, USA, in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America (PNAS) über die Grenzen des sogenannten Diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie: Anatomical accuracy of brain connections derived from diffusion MRI tractography is inherently limited

via Wikimedia Commons
Um neuronale Bahnen im Gehirn eines lebenden Organismuses zu identifizieren, werden meist neuronale Tracer verwendet, die injiziert werden müssen. Selbstverständlich ist eine derartig invasive Methode keine Option für das menschliche Gehirn. Hier wird seit geraumer Zeit die Diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie (diffusion-weighted imaging, DWI) angewendet, um neuronale Bahnen auf Voxelebene im menschlichen Gehirn zu rekonstruieren. Diese Methode produziert mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRI) wundervolle Bilder, welche die Diffusionsbewegung von Wassermolekülen zeigen und damit indirekt potentielle Nervenbahnen der Weißen Substanz. Eine Variante des DWI ist die sogenannte Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI), die auch die Richtung der Diffusion bestimmt. Diese Methode wird unter anderen auch im Human Connectome Project, dem amerikanischen Pendant zum europäischen (und umstrittenen) Human Brain Project, verwendet. 

Jetzt würden einige sagen, super, dann kann man dieses DWI ja auch sonst überall anwenden und benötigt keine invasiven Tierversuche mehr. Leider getäuscht, wie Thomas et al. nun zeigten. Oft würde beim DWI davon ausgegangen, dass bessere Datenqualität und verbesserte Methoden die Genauigkeit erhöht mit der neuronale Bahnen bestimmt werden können. Thomas et al. kommen jedoch zu dem Schluss, dass dem nicht so sei. Für ihre Studie hatten sie das Gehirn eines toten Makaken mittels DWI untersucht. Da das Tier nicht mehr am Leben war (ex vivo), konnten typische Artefakte, wie durch Kopfbewegung, Herzschlag oder den Blutkreislauf verursacht, vermieden werden. Die Forscher hatten also ein DWI Datensatz mit äußerst guter Qualität erzeugt. Ein Datensatz des menschlichen Gehirns mit ähnlich guter Qualität würde tausende Stunden im Scanner bedeuten, so die Autoren. Nun verglichen die Forscher die Ergebnisse des DWI Datensatzes (mit verschiedenen Modellen) mit bekannten neuronalen Bahnen aus Tracerstudien und fanden heraus, dass die Übereinstimmung des DWI mit den Tracerstudien sehr schwach war. Außerdem hingen die Ergebnisse stark von technischen Parametern ab. Sie schlussfolgerten daher, dass DWI inhärente Grenzen hat, die auch nicht mit besseren Methoden/Modellen und Datenqualität behoben werden können.
Overall, even in ideal experimental conditions, the anatomical accuracy of DWI tractography is suboptimal. 
[...] 
A diffusion tractography technique that produces anatomically accurate results remains an elusive goal even with DWI data of exceptional quality. 
[...] 
We believe our results highlight an inherent limitation of DWI tractography: inferring fiber direction information from a water diffusion displacement profile is fundamentally a complex, underdetermined inverse problem that cannot be solved.

Dass diese Studie ein Umdenken im Bezug auf DWI einleiten wird, ist unwahrscheinlich. Sie zeigt aber erneut, dass histologische und neurophysiologische Methoden noch immer in der Wissenschaft unersetzbar sind. 

Alle US-Amerikaner aus nordkoreanischer Geiselhaft entlassen

Alle drei US-Amerikaner, die durch Nordkorea inhaftiert wurden, sind inzwischen freigelassen. Die Freilassung von Kenneth Bae und Matthew Todd Miller wurde gestern publik, Jeffrey Fowle wurde bereits am 21. Oktober freigelassen. Der Missionar Bae wurde insgesamt zwei Jahren in Nordkorea festgehalten. Die Hintergründe für die Freilassung sind unbekannt, aus Gnade oder Gutwillen sicherlich nicht. Bei Foreign Policy vermutet Isaac Stone Fish eine diplomatische Charmoffensive des nordkoreanischen Regimes, ein Denkzettel an China, und/oder die Angst vor dem Internationalen Strafgerichtshof (als ob).

Verantwortlich für die Freilassung ist wohl der Nationale Geheimdienstdirektor James Clapper, der in geheimer Mission nach Nordkorea gereist war und mit Bea und Miller zurück in die Staaten flog. Angeblich nahm er einen an Kim Jong-un adressierten Brief des US-Präsidenten Obama mit.